Warum sollte man die Wallbox auf 11 kW drosseln — Praxis, Recht und Netzverträglichkeit
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Sicherlich hast du schon einmal gehört, dass man die Wallbox auf 11kW drosseln sollte. Aber warum eigentlich? Diese Frage ist nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch und finanziell sehr relevant. In diesem Artikel erklären wir sachlich und praxisnah die Gründe für eine Drosselung der Ladestation auf 11 kW, welche Folgen das für Haushalt und Netz hat und wie die rechtlichen Anforderungen in Deutschland typischerweise aussehen, damit du eine fundierte Entscheidung treffen kannst.
Warum muss man eine Wallbox anmelden?
Wenn wir eine Wallbox installieren, betrifft das nicht nur unsere Steckdose, das hat Auswirkungen auf das lokale Verteilnetz. Netzbetreiber müssen den Zustand ihres Netzes kennen, damit Spannung, Sicherheit und Versorgungsqualität gewährleistet bleiben. Deshalb verlangen viele Verteilnetzbetreiber Informationen oder eine Anmeldung bei der Installation von Ladeinfrastruktur.
Warum das wichtig ist:
- Netzstabilität: Hohe oder mehrere gleichzeitig ladende Lasten können Spannungsprobleme oder Überlasten in Transformatoren und Leitungen verursachen. Netzbetreiber überwachen und planen Kapazitäten, damit kritische Infrastruktur geschützt bleibt.
- Lastmanagement: Durch Registrierungs- oder Anmeldeverfahren kann der Netzbetreiber besser koordinieren, ob und wann zusätzliche Infrastruktur nötig ist, etwa Netzanschlusserweiterungen.
- Verantwortung und Nachvollziehbarkeit: Bei Störungen oder Unfällen muss nachvollziehbar sein, welche Verbraucher angeschlossen sind und welche Leistung sie beanspruchen.
Was wir praktisch beachten sollten:
- Vor Installation Kontakt aufnehmen: Bevor wir eine Wallbox kaufen oder montieren lassen, sprechen wir mit dem zuständigen Netzbetreiber. Viele Netzbetreiber bieten Formulare oder Online-Dienste für die Anmeldung.
- Elektriker einbeziehen: Ein fachkundiger Installateur prüft, ob unser Hausanschluss und die interne Elektroverteilung die zusätzliche Last tragen können und welche Absicherung nötig ist.
- Unterschiedliche Begriffe: "Anmeldung", "Anzeige" oder "Genehmigung" werden unterschiedlich verwendet. Anmeldung bedeutet oft nur Informationsweitergabe: Genehmigung kann eine technische Prüfung und ausdrückliche Zustimmung erfordern.
Was ist der Unterschied zwischen einer 11kW und einer 22kW Wallbox?
Technisch und praktisch gibt es klare Unterschiede zwischen einer 11 kW und einer 22 kW Wallbox. Diese Unterschiede beeinflussen Installation, Netzbelastung, Kosten und Alltagstauglichkeit.
Technische Eckpunkte (vereinfachte Darstellung):
- 11 kW: Üblicherweise dreiphasig mit 3 × 16 A (bei 400 V), ergibt rund 11 kW Ladeleistung. In vielen Haushalten ist das die grüne Mitte: deutlich schneller als 3,7 kW, aber moderaterer Netzbedarf als 22 kW.
- 22 kW: Häufig dreiphasig mit 3 × 32 A, ergibt rund 22 kW. Das ist deutlich leistungsfähiger, ideal, wenn mehrere Elektrofahrzeuge oder sehr kurze Ladezeiten gefragt sind.
Praktische Auswirkungen:
- Ladezeit: 22 kW reduziert die Ladezeit gegenüber 11 kW etwa um die Hälfte, vorausgesetzt das Fahrzeug kann 22 kW aufnehmen. Viele aktuelle Fahrzeuge können aber nur 11 kW oder weniger an einer Wechselstrom-Wallbox.
- Anschlussanforderungen: 22 kW zieht mehr Strom und kann zu Problemen mit dem Hausanschluss führen, wenn dieser nicht ausreichend dimensioniert ist. Das kann Umbauten oder Netzanpassungen notwendig machen.
- Kosten: Höhere Absicherung, größere Residualstromgeräte (RCD) und eventuell Netzanschlusserweiterungen treiben die Investitionskosten bei 22 kW in die Höhe.
- Netzverträglichkeit: 22 kW-Installationen haben ein höheres Potenzial, kurzfristig Lastspitzen zu erzeugen, wenn mehrere Haushalte gleichzeitig laden. Das erhöht das Risiko für Netzengpässe und erfordert oftmals Abstimmung mit dem Netzbetreiber.
Für uns heißt das: 22 kW ist sinnvoll, wenn wir häufig große Reichweiten in kurzer Zeit nachladen müssen oder mehrere Fahrzeuge parallel laden. Für die meisten Privathaushalte mit einem Fahrzeug ist 11 kW meist die ausgewogenere Wahl.
Reine Anmeldungspflicht bei 11kW Wallboxen
Viele Hausbesitzer, Vermieter und Installateure sehen 11 kW als pragmatische Grenze: technisch leistungsfähig, aber oft unterhalb strenger Genehmigungsanforderungen. In der Praxis läuft das häufig so ab:
- Anmeldung statt Genehmigung: Bei vielen Netzbetreibern ist für Wallboxen bis zu einer bestimmten Leistung (häufig rund 11 kW) lediglich eine Anmeldung oder Anzeige nötig. Das bedeutet: Wir teilen die geplante Installation mit, der Netzbetreiber prüft die Daten und informiert, ob weitere Maßnahmen nötig sind.
- Warum das oft genügt: 11 kW entspricht in vielen Fällen einer Leistung, die der vorhandene Hausanschluss ohne Netzanschlusserweiterung verkraftet, insbesondere wenn wir keine weiteren großen Verbraucher gleichzeitig betreiben.
- Typische Anforderungen bei Anmeldung: Name, Anschrift, Adresse des Ausführenden, Ladeleistung der Wallbox, voraussichtliches Anschlussdatum und manchmal eine Bestätigung des Elektrofachbetriebs. Einige Netzbetreiber wollen außerdem die Art der Ladeeinrichtung (fest installiert oder mobil) wissen.
Vorteile der Drosselung auf 11 kW aus Sicht der Anmeldung:
- Schnellere Abwicklung: Anmeldung ist meist weniger aufwendig als ein Genehmigungsverfahren.
- Geringeres Risiko für Verzögerungen: Weniger wahrscheinlich, dass der Netzbetreiber einen Netzanschlussausbau verlangt.
- Kostenvorteile: Wir sparen mögliche Kosten für zusätzliche Sicherungen oder Anpassungen am Hausanschluss.
Wichtig: Die gesetzlichen und regionalen Regelungen variieren. Selbst bei 11 kW können Netzbetreiber in Einzelfällen weitere Informationen oder Maßnahmen verlangen, zum Beispiel, wenn in unserem Wohnviertel bereits Netzengpässe bestehen.
Genehmigungspflicht bei 22kW Wallboxen
Bei 22 kW Wallboxen brauchen wir eine Genehmigungspflicht durch den Netzbetreiber. Dadurch kann es je nach Fall und Lage sein, dass uns die Inbetriebnahme einer Wallbox verwehrt wird.
Dementsprechend muss das ganze Projekt der Installation, deutlich mehr abgesprochen werden, um Missverständnisse und Ablehnung zu vermeiden.
Im besten Falle wird die geplante Installation einer 22 kW Wallbox abgesegnet durch den Netzbetreiber, wir haben allerdings keine Garantie oder Anspruch darauf. Dies ist der große Unterschied zu 11 kW, und der Hauptgrund wieso eine Drosselung auf 11 kW in den meisten Fällen sehr sinnvoll ist!
Häufig gestellte Fragen zur Drosselung der Wallbox auf 11 kW
Warum sollte man die Wallbox auf 11 kW drosseln?
Eine Drosselung auf 11 kW reduziert Netzbelastung, verringert Chancen auf Netzanschlusserweiterungen und vereinfacht die Anmeldung beim Netzbetreiber. Für Einfamilienhäuser mit einem Fahrzeug ist 11 kW ein guter Kompromiss zwischen Ladegeschwindigkeit und geringen Installations- sowie Betriebskosten.
Muss eine 11 kW Wallbox beim Netzbetreiber angemeldet werden?
Ja, in vielen Regionen reicht bei bis zu etwa 11 kW eine Anmeldung statt einer Genehmigung. Der Netzbetreiber will Daten zur Ladeleistung, Installationsdatum und oft eine Bestätigung des Elektroinstallateurs, prüft Netzkapazität und informiert über notwendige Maßnahmen.
Was sind die praktischen Unterschiede zwischen einer 11 kW und einer 22 kW Wallbox?
11 kW lädt deutlich schneller als 3,7 kW und belastet den Hausanschluss weniger. 22 kW halbiert Ladezeiten nur, wenn das Fahrzeug 22 kW kann, erfordert aber höhere Absicherung, teurere Komponenten und unterliegt der Genehmigungspflicht.
Kann jedes Elektroauto an einer 11 kW Wallbox laden?
Die Mehrheit der Elektroautos unterstützt dreiphasiges Laden bis 11 kW; viele Modelle sind auf 11 kW begrenzt. Prüfe die Spezifikationen deines Fahrzeugs — falls es nur einphasig lädt, bringt 11 kW nicht den vollen Vorteil.
Wie beeinflusst die Drosselung auf 11 kW meine Ladezeit und Kosten?
11 kW verlängert die Ladezeit gegenüber 22 kW, ist aber für den typischen Tagesbedarf ausreichend. Kosten sinken oft durch geringeren Installationsaufwand und weniger Netzmaßnahmen; Betriebskosten hängen hauptsächlich vom Stromtarif und nicht von der Leistung der Wallbox ab.